Sonntag, 9. Juni 2013

Faszination Familie

Wenn ich so durch die Straßen laufe bin ich immer wieder begeistert, wie unterschiedlich Familiensystem sein können. Zum einen sehe ich dort die "liebevolle Familie", diese ist geprägt von gegeseitigem Respekt und von einem liebevollen Umgang miteinander. Vater und Mutter halten sich an der Hand, während die ein bis vier Kinder glückselig und schnabbelnd nebeneinander herlaufen, mit einem großen Eis in der Hand. Vati fragt die Kinder, was sie denn heute noch unternehmen wollen und Mutti schaut weiterhin glücklich und zufrieden auf ihre Nachkommen.
Das andere auch weitverbreitete Familienbild ist die, der Alleinerziehenden. Diese Art von Kleinstfamilie hat meistens nicht mehr als ein bis zwei Kinder, der "zurückgebliebene" Elternteil wirkt gestresst und antwortet meist kurz und knapp: "Justin komm wech!" oder "Jetzt lass endlich die Finger davon!" Hier ist der Ton doch schon rauer und wirkt häufig schroff.
Und dann gibt es da noch das, was ich gerne als "Scheinfamilie" betitel. Und ja, die sind mir die Liebsten, denn aus Sicht einer Sozialarbeiterin sind diese die spannendsten. Eine Scheinfamilie zeichnet sich an einigen doch sehr leicht erkennbaren Merkmalen aus. Die biologischen Eltern sind meistens geschieden und haben sich nicht gerade im Guten getrennt. Die Kinderzahl spielt hierbei keine sonderlich große Rolle. Beide Elternteile haben neue PartnerInnen und beginnen sich mit diesen ein neues Leben aufzubauen. Schaut man genauer hin erkennt man, dass die Kinder hierbei völlig außenvor sind, bis auf das Jüngste, denn dies gilt es auf die väterliche oder mütterliche Seite zu ziehen um den anderen weh zu tun. Die anderen Kinder sind ab diesem Zeitpunkt sich selbst überlassen und beginnen mit ihrer kindlichen Revolution. Weiterhin wird jedoch das Bild einer heilen Familie nach Außen getragen, um Lob und Anerkennung von Außenstehenden zu bekommen, wie gut man das doch alles so hinbekommt nach einer so schwierigen Trennung. Die nennen ich auch das "Vorstadtsyndrom": Hauptsache der Vorgarten und das Auto sind sauber, dann ist man der King ind er Nachbarschaft. Ja, es ist schon spannend so ein Familienzusamenhalt oder das, was manche Menschen so nennen. Natürlich möchte niemand sagen müssen: "In meiner Familie gibt es häufig Streit, wir schreien uns an und überhaupt, so richtig mag ich meine Kinder auch gar nicht." Nein, sowas gehört sich einfach nicht. Aber wer denkt dabei an die Kinder, die häufig mit ihren Problemen alleine dastehen, die auch wenn sie sich jemaden öffnen, von ihren Eltern so geschickt in den Schatten gedrängt werden, dass man ihnen gar nicht mehr zu hören kann? Wer Lust hat, kann sich ja mal einen Spaß daraus machen und sich Familien während eines Besuchs in einer Eisdiele oder einem Café anschauen und mir eine Rückmeldung geben ob es noch andere Familienaufbauten gibt, die ich noch nicht erkannt habe.

In diesem Sinne...

Dat "Luischen"

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